20. September 2017

Aus den Jugenderinnerungen alter Lipper

Der alte Ziegenhirt

Der alte Ziegenhirt von Blomberg, wie er in seiner Jugend zweimal zehn Silbergroschen auf Einmal verdient hat. Das war so zugegangen: Im Jahre 1848, als er noch ein junger, flinker Kerl war, der von enger Brust und rauher Luft nichts wußte, war Abends nach 10 Uhr der Hausknecht von dem alten Theopoldschen Gasthause gekommen, und hatte so lange an der Thür geklopft, bis sich unser Ziegenhirt die Augen rieb und ans den Federn kroch. Fremde Offiziere waren zu [...]

18. September 2017

Das Waisenhaus in Barntrup

»O Barntrup, O Barntrup, du wunderschöne Stadt«, so blies der Schwager auf seinem beuligen Horn, als die Post in die Nähe von Barntrup kam. Früher hätte ich ihm recht gegeben, aber diesmal wollte mir das Städtchen Barntrup gar nicht mehr so „Wunderschön” vorkommen, besonders nicht an der Seite, wo wir einfuhren. Wenn man die Fabrikschornsteine und die neuen Häuser sieht, die so breit und Protzig dastehen, dann bleibt einem jener Gruß in der Kehle stecken. Man kennt heutzutage bald sein [...]

2. September 2017

Der Valepagenhof im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold

Mit der Übergabe des ersten Bauabschnittes des Paderborner Dorfes im Westfälischen Freilichtmuseum am 13. Juli 1981 konnte mit dem Valepagenhof aus Dorfbauernschaft / Delbrück auch eines der bedeutendsten ländlichen Bauwerke Westfalens der Öffentlichkeit zurückgegeben werden. Die großartige, reich geschnitzte Renaissancefassade von 1577 erregte schon im ausgehenden 19.Jh. das Interesse des Provinzialkonservators A. Ludorff, obwohl Bauernhäusern damals von Seiten der Denkmalpflege kaum Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Als besonders charakteristisches Bauwerk in Westfalen wurde es 1906 in das umfangreiche Tafelwerk der Deutschen Architekten- . und Ingenieur- Vereine aufgenommen.
22. August 2017

Aus den Briefen eines wandernden lippischen Handwerksgesellen

Heinrich Uhmeier wurde 1857 in Barntrup geboren. Sein Vater Ludwig Uhmeier starb schon 1859 im Alter von 44 Jahren, gerade als er nach dem Brande von 1858, der einen großen Teil Barntrups in Schutt und Asche gelegt hatte, mit dem Neubau eines stattlichen Hauses (heute Untere Straße 1) begonnen hatte. Die Mutter Elise Uhmeier, geb. Dieckmeyer, wohnte zunächst mit ihren drei Kindern im Elternhaus, dem alten Posthaus. Der älteste Sohn Louis war — wie üblich — als Hoferbe vorgesehen; Heinrich, [...]

5. Mai 2017

Wie sahen unsere alten Schlösser aus?

Wohl wissen wir, daß sie einstmals da waren, auch daß sie die Geschicke der engeren aber weiteren Heimat weitgehend beeinflußt haben.Sie sind aber zum Teil ganz verschwunden, zum Teil nur in Resten oder Einzelbauten erhalten geblieben, haben ihre Wehrhaftigkeit verloren und lassen die ursprüngliche Größe nach Bedeutung kaum noch ahnen. Mancher hätte aber eine Vorstellung davon, wie sie aussahen und wie ihr Schicksal bis auf den heutigen Tag gewesen ist.

Burg Lipperode

Gewiß sind viele Besucher, die erwartungsvoll zu der alten Lippeburg [...]

10. Dezember 2016

Die alten lippischen Papiermühlen

Vor der Erfindung des Papiers wurde bekanntlich Pergament als Schreibmaterial benutzt. Das Papier ist eine chinesische Erfindung, die um das Jahr 1140 nach Deutschland gelangte, von Frankreich und Italien her; doch noch bis ins 14. und 15. Jahrhundert überwog das Pergament. Die älteste lippische Papierurkunde stammt etwa aus der Zeit vor 1347. Mit der Ausbreitung der Buchdruckerkunst stellte sich jedoch ein immer größerer Papierverbrauch ein und die Zahl der Papiermühlen nahm zu. Auch im lippischen Lande entstanden Papiermühlen. Im Rheinland [...]

21. November 2016

Horn-Bad Meinberg – Zick-Zack-Fahrt durch Lippe“ (1954 – 1958)

Jeden Samstag, als Wochenend-Lektüre zum nostalgischen Schmunzeln, veröffentlichte August Meier-Böke seine bebilderten Dorfbeschreibungen, in insgesamt 204 Folgen ohne Unterbrechung. Am 24. April 1954 begann er die Serie mit dem „längsten Dorf in Lippe“: Augustdorf. Und als die Artikelfolge am 22. März 1958 mit Meier-Bökes Heimatdorf Langenholzhausen zuendeging, erlebte ihr Autor selbst dies nicht mehr mit: Er starb am 31. Oktober 1956, hatte jedoch zuvor die Manuskripte für alle Dörfer fertiggestellt. Horn – Stadt der Ackerbürger Holzhausen – halb Dorf, halb Gästesiedlung Schmedissen – [...]
23. August 2016

Vom Kohlpott bis Lopshorn

Maimorgen mit Buchfinkengeschmetter und Lerchengetriller. Eine erquickende Brise hat sich erhoben, schaukelt sanft die frischgrünen Buchenwipfel und macht, daß das zahllose Heer der Roggenhälmchen eine aufgeregte Unterhaltung beginnt.

Jetzt aber, da ich, von Norden kommend, ins Werretal zum Dorf und Bahnhof Nienhagen hinabschreite, verlassen mich Buchenwipfel und Roggenhalme. Unvermittel bin ich vom Lehm- auf den Sandboden geraten. Eine neue Vegetation umgibt mich: Fichten und Kiefern und zwischen dem dunklen Grün leuchtete bisweilen ein Birkenstämmchen auf.

Da ist der „Kohlpott“, wo nach den bemerkenswerten [...]

25. Juli 2016

Aus Veldroms vergangenen Tagen

Das unmittelbar an der ehemaligen Landesgrenze gelegene zweigeteilte Dorf Veldrom gehörte immer mit 377 ha und etwa 300 Einwohnern zu den kleinsten Gemeinden Lippes. Die Entwicklung stagniert seit sehr langer Zeit. Sein Name wurde 1160 als Druc, 1259 als Trucheim, 1530 als Veldtodrome, 1630 als Veldrohm erwähnt.
15. März 2016

Die Detmolder Kriegstage 1945

Tagebuchnotizen von Bernhard Ebert1Dr.Bernhard Ebert, * 2.3.1882 in Bremen, + 8.2.1958 in Detmold, lebte seit 1893 in Detmold und war bis zu seiner Pensionierung als Richter tätig, zuletzt als Oberamtsrichter am Amtsgericht. Er bewohnte 1945 das Haus Allee Nr.5. Die handschriftlichen Tagebuchnotizen sind in einem 16seitigen DIN A 5-Heft niedergeschrieben; sie befinden sich im Besitz seiner Tochter, Frau Hedwig Eisenhardt geb.Ebert, die das Manuskript zusammen mit den folgenden Erläuterungen freundlicherweise für die Veröffentlichung zur Verfügung stellte. bearbeitet von Hermann Niebuhr“‚

Nachdem die [...]

26. Dezember 2015

Das Hagenrecht der lippischen Ostmark

Herr Archivdirektor Professor Dr. Philippi veröffentlicht gemeinsam mit Herrn Dr. Grotefend in der diesjährigen Zeitschrift unseres Vereins für Geschichte und Altertumsfunde Westfalens daß einer Corveyschen Handschrift entnommene Hagenrecht von Wichenhofen.
19. Dezember 2015

Von Hexen und Zauberern

Wehe dem, der in den Ruf kam, eine Hexe oder ein Zauberer zu sein! Schreckliche Qualen und einen grausamen Tod konnte ein solches Gerücht zur Folge haben. Mehrere hundert unschuldige Menschen sind in unserm kleinen Lande dem Hexenwahn zum Opfer gefallen. Auch im lippischen Norden, in Lüdenhausen, Kalldorf, Langenholzhausen, Varenholz, Erder, Stemmen, Almena, Henstorf, Göstrup und Talle, hat man Frauen zu Hexen oder Zauberschen, Männer zu Hexenmeistern gemacht.
14. Dezember 2015

Der Ottenkrug

Die meisten denkwürdigen Bauten unserer Heimat haben einen großen Teil ihrer Romantik eingebüßt. Eine nüchtern denkende Gegenwart sucht ihnen in oft recht prosaischer Weise irgendeinen Nutzungswert abzugewinnen, wobei die Umwandlung einer alten Burg zur Jugendherberge, einer Mühle zur Kaffeewirtschaft noch die glimpflichste Form moderner Sachlichkeit darstellt.
11. Dezember 2015

Vom Familiengold

Unter meinen Ausweispapieren hatte ich lange Jahrzehnte eine Bescheinigung meiner Schule verwahrt. Darauf stand zu lesen, daß der „Vorzeiger dieses“ berechtigt sei, Goldstücke zu sammeln. Das ist wahr und wahrhaftig geschehen, und zwar kurz nach Beginn des ersten Weltkrieges.

Dieses gemünzte Gold ist nun freilich nicht gemeint, auch kein Goldschatz, welcher Art auch immer. Wenn Frau Roser-Kirchhof im folgenden vom Familiengold spricht, so meint sie damit das, was uns heute weithin verloren gegangen ist: den Schatz heiterer oder ernster Erlebnisse aus Verwandtschaft und Bekanntschaft. [...]

29. November 2015

Als Vornholte (Varenholz) Lippisch wurde

»Tho -enne!«

Mit kräftigem Fluche schleuderte der Ritter Statius von Vornholte den steinernen Bierkrug gegen die Wand, daß die Scherben durch die Halle flogen und der Schaum an die Eichentäfelung der Decke spritzte. Noch einen verächtlichen Blick ließ der Ritter über die Männer gleiten, die aus den Bänken und unter dem Tische den schweren Rausch ausschliefen. Dann warf er sich stöhnend in den Sessel zurück, der dabei in allen Fugen knackte, und starrte noch eine Weile vor sich hin, bis auch [...]

26. November 2015

Kreuzsteine und Steinkreuze in Lippe

Er steht unweit der Schule in einer Gartenmauer, an dem Wege, der nach dem Schling hinanführt. Eine schlichte Sandsteinplatte, 1,3 m hoch, 0,8 breit und 0,2 dick. 1924/25 ist die Kurve vor der Schule verbreitert, der Stein mitsamt der Mauer versetzt. Dietrich Rosenstock hat ihn 1946, als er sich aus der Mauer gelöst, wiederaufgerichtet und mit Draht verklammert.
25. November 2015

Das Brandunglück in Wehren am 29. Juli 1911

Wohl zum ersten Mal ist über unser Lipperland ein Brandunglück von so grausiger Größe hereingebrochen, wie das, von dem die Ortschaft Wehren und mit ihr die Gemeinde Weinberg in der Nacht vom 26. auf den 27. Juli vergangenen Jahres betroffen wurde. Noch denken wir alle mit Jammer an das fürchterliche Ereignis, das überall in unserem Lande und über seine Grenzen hinaus Entsetzen erregte, viele Familien aber in times Herzeleid stürzte.

Wer von ihnen weiß nicht mehr, wie schwer es war, die [...]

18. September 2015

Heimattage im Schwalenberger Lande

Im Jahre 1906 wurde gelegentlich der 650-Jahrfeier der Gründung der Stadt Schwalenberg das von Dr. Karl Lohmeier verfaßte Volksspiel „Schwalenberg“ im Rahmen eines großen Heimatfestes zum ersten Male aufgeführt. Es fand einen derart starken Beifall, daß die Schwalenberger sich entschlossen, diese Aufführungen in regelmäßigen Abständen zu wiederholen. So wurde der von dem unvergeßlich gebliebenen Pastor Zeiß in Schwalenberg wachgerufene Heimatgedanke gepflegt und in den Heimatfesten der Jahre 1908, 1912, 1924, 1929, und 1934 immer wieder tatkräftig und wirkungsvoll gefördert. Dann [...]

9. September 2015

Eine urgeschichtliche Wallburg in Nordlippe

Der Buntenberg oberhalb Göstrup besitzt auf seinem Gipfel entlang den Kanten eine Anzahl Steinwälle. In bester Erhaltung liegen sie an der östlichen Seite. Während sonst die Wälle ziemlich platt und abgetragen sind, bollwerken hier noch breite Steinlager, die sich stellenweise zu Hügelungen zusammenhäufen.
2. September 2015

Der Wunderdoktor von Distelbruch

Es war im Jahre 1796. Der Schrecken der französischen Staatsumwälzung war in der Tagesunterhaltung gerade abgetan. Das philosophische Zeitalter Kants und anderes mehr über Fortschritte und Erkenntnisse einer eben begonnenen aufklärenden Epoche wurde heftig besprochen, da setzte im Lande der Rose nach unserem ach, so stillen, friedlichen Diestelbruch am Leistruper ...